Havlíčkův Brod

Havlíčkův Brod (tschech., bis 1945 Německý Brod, dt. hist. Deutsch Brod); Die am Fluss Sázava (dt. hist. Sazau) am Rande der Böhmisch-Mährischen Höhe (Českomoravská vrchovina) gelegene Kreisstadt hat 24.265 Einwohner (2006) und liegt 422 m ü. d. M. Der gleichnamige Kreis hat eine Fläche von 1265 km² und 95.000 Einwohner. Das Stadtzentrum der ursprünglichen Silberbergstadt ist denkmalgeschützt. Die Stadt ist Standpunkt von Textil- und Lebensmittelindustrie.

Mitte des 13. Jh. gründete Smil Světlický Lichtenburg an einer Furt (tschechisch: „brod“) eine strategisch günstig gelegene Siedlung. Nach Entdeckung des Silbervorkommens entstand 1257 eine Stadt (1269 ›Brod Smilonis‹ bezeugt), in der Kolonisten aus Sachsen, dem Harz und Tirol Bergbau betrieben. 1308 wurde die Stadt wegen ihrer überwiegend deutschen Bewohner erstmals ›Broda Theutunicalis‹ genannt, woraus sich Deutsch Brod (Německý Brod) entwickelte. Während der Hussitenkriege wurde die Stadt, die auf Seiten des Luxemburger Königs Sigismund stand, 1422 von den Truppen Jan Žižkas zerstört. Dies brachte das endgültige Ende des Silberbergbaus mit sich. Die Stadt wurde erst einige Jahre später durch tschechische Siedler wieder aufgebaut. 1637 wurde sie zur königlichen Freistadt erhoben.

Von großer Bedeutung war das 1735 gegründete Gymnasium, das unter anderem der Sprachwissenschaftler Josef Dobrovský (1753−1829), der politische Journalist Karel Havlíček Borovský (1821−56) und der Komponist Bedřich Smetana (1824−84) besuchten. Die Fertigstellung der Nordbahn 1871 (Wien−Prag), die sich in H. B. nach Pardubice und Kolín teilt, führte zu einem wirtschaftlichen Aufschwung der Stadt, die 1880 5436 Einwohner zählte, davon 123 Deutsche. Seit 1923 ist H. B. Sitz des staatlichen Kartoffelbauinstituts.

Am 5.5.1945 wurde Německý Brod in Havlíčkův Brod nach dem aus dem nahen Dorf Borová stammenden Journalisten Karel Havlíček Borovský umbenannt.

(Katrin Bock)

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