Redarier

Redarier (auch: Riaderi, Riedere, Redarii, Retharii, Retheri, Rederi), Volksgruppe, Teilstamm des (slawischen) Lutizenbundes.

Abgeleitet wird der so unterschiedlich überlieferte Name wahrscheinlich von dem Heiligtum Riedegost (Radagost; Rhetra, Rhetre), das sich auf dem Territorium der R. befand und politischer und religiöser Mittelpunkt des Lutizenbundes war. Diese Tempelburg entwickelte sich zum Zentralheiligtum aller nordwestslawischen Stämme, die ihm Jahrestribut zahlten.

Erstmals erwähnt werden die R. 929. Danach traten sie als treibende Kraft im Kampf der slawischen Stämme gegen das Deutsche Reich in Erscheinung. Kaiser Otto I. wollte sie aus diesem Grund 968 völlig vernichten lassen. Die R. waren zusammen mit den (nord)westslawischen Stämmen der „Kessiner“, „Circipaner“ und „Tollenser“ im Lutizenbund organisiert. Wahrscheinlich lag die Führung des Bundes in einer Volksversammlung, an der breite Bevölkerungsschichten teilhaben konnten. Die gesellschaftliche Struktur der R. war insofern ähnlich, als auch ihnen wie den anderen Teilstämmen im 10./11. Jh. wohl eine fürstliche Führungsspitze fehlte und eine eher oligarchisch-theokratische Prägung vorlag. Wahrscheinlich waren die R. auch an dem großen Slawenaufstand von 983 der sich gegen die deutsche und polnische Oberhoheit richtete, führend beteiligt, da sie in den folgenden 70 Jahren als dominierender Teilstamm des Lutizenbundes in Erscheinung traten. Danach jedoch unterlagen sie in den bürgerkriegsähnlichen Kämpfen um die Vorherrschaft im Bund, so dass sie nach 1056/57 in die Bedeutungslosigkeit versanken. Ein von den R.n, die ihre Vormachtstellung institutionell sichern wollten, gegen die „Circipaner“ herbeigerufenes Heer, zwang die „Circipaner“ und „Kessiner“ unter abodritische Vorherrschaft. In der Folgezeit blieb der nun auf R. und Tollenser beschränkte Bund fast völlig inaktiv. Nach der Zerstörung des Heiligtums (1125) löste sich der Lutizenbund vollständig auf. Das Land fiel an die Markgrafen von Brandenburg und die Fürsten von Mecklenburg, unter deren Ägide das Land missioniert und besiedelt wurde. Das Siedlungsgebiet der R. ist südlich der Peene im Bereich Neu-Strelitz (Mecklenburg-Strelitz) anzusetzen.

Dralle L. 1981: Slaven an Havel und Spree. Berlin. Schroeder H.-D., Hornemann W. 1972–73: Die Sitze der Redarier und die Lage Rhetras, Greifswalder-Stralsunder Jb., 10, 35–71.

(Beatrix Günnewig)

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