Rijeka

Rijeka (kroat., dt. hist. St. Veit am Pflaum, ital. hist. Fiume, serbokroat. hist. Rieka).

Inhaltsverzeichnis

1 Geographie

R. entstanden aus den beiden Städten R. und Sušak ist heute mit 143.800 Einwohnern (2001), nach Zagreb und Split, die drittgrößte Stadt Kroatiens. Sie erstreckt sich entlang des steilen Reliefs zum Tal des Flusses Rječina auf etwa 0–135 m ü. d. M. Aus der Pannonischen Ebene kommend ist R. der nächste Zugang zum Meer. Diese besondere Lage an der nördlichen Küste des Kvarner (ital. Quarnero, dt. Kvarnerbucht) erklärt die Bedeutung als wichtiger Hafen und Verkehrsknotenpunkt an der Adria. Den größten Teil der Bevölkerung bilden (im Jahr 2001) Kroaten (80,4 %), Serben (6,2 %) und 1,9 % Italiener. Die mittlere Temperatur im Januar beträgt 5,4 °C, im Juli 22,7 °C. Die recht hohe jährliche Niederschlagsmenge von 1399 mm verteilt sich über das ganze Jahr, etwas stärker in den kühleren Monaten.

2 Kulturgeschichte

Das Gebiet von R. war bereits seit dem Neolithikum besiedelt. ›Liburna‹ nannte sich die erste illyrische Ansiedlung von Seefahrern und Schiffsbauern. Im 1. Jh. v. Ch. errichteten die Römer an der Straße Aquilea–Senj und am Westufer des Flüsschens Rječina das aus zwei Siedlungen – einer am Fluss und einer – , das spätere Sušak, – am nahe gelegenen Hügel – bestehende Munizipium Tarsatica. Die Vorgängerin der heutigen Stadt ist eine im 7. Jh. entstandene slawische Siedlung. R. („Fluss“) wurde erstmals 1230/32 urkundlich erwähnt. Bis zum 14. Jh. war die Stadt Sitz verschiedener Adelsgeschlechter und fiel ab 1466 unter die Herrschaft der Habsburger. 1599 erhielt R. den Status einer freien Stadt und 1719 eines Freihafens. Es ist die Zeit des wirtschaftlichen und kulturellen Aufstiegs der Stadt, der durch die Straßenverbindung nach Zagreb und Wien (1725) begünstigt wurde. Die Bedeutung R.s als Handelszentrum wuchs in der Folgezeit. In der zweiten Hälfte des 19. Jh. florierten v. a. der Schiffsbau, die chemische Industrie und die Papierherstellung. 1779 kam R. als ›Corpus separatum‹ an Ungarn, 1809–13 an die ›Illyrischen Provinzen‹, 1814 an Österreich, 1822 wieder an Ungarn, 1848–70 an Kroatien. Danach fiel R. erneut an Ungarn, nach der Niederlage Österreich-Ungarns 1918 wurde die Stadt zum Zankapfel zwischen Italien und dem SHS-Staat. Im Vertrag von Rappallo 1922 wurde R. zur Freistadt erklärt. Andauernde Unruhen in R. und der weitere Streit um die Zugehörigkeit konnten erst im Vertrag von Rom 1924 gelöst werden: R. fiel an Italien, nur Sušak, der südöstliche Teil der Stadt, verblieb beim „Königreich der Serben, Kroaten und Slowenen“. Nach der Kapitulation Italiens 1943 wurde die Stadt für zwei Jahre deutsch, bevor die „Volksbefreiungsarmee“ unter Tito im April 1945 einmarschierte. Durch Volksentscheid wurde Sušak wieder mit R. vereinigt und offiziell 1947 Jugoslawien zugesprochen. In der Folgezeit entwickelte sich R. zum Handels- und Industriezentrum der kroatischen Adriaküste und ist heute – seit 1991 unter der unabhängigen Republik Kroatien – Sitz zahlreicher Speditionsunternehmen, großer Werften und der Erdölraffinerie sowie Heimathafen eines großen Teils der kroatischen Fischfangflotte und der wichtigste Handelshafen des Landes (4,478 Mio. t Umsatz 2004).

Neben der wirtschaftlichen Bedeutung für die Region hat sich R. mit zahlreichen Archiven, Museen und Theatern auch zum kulturellen Zentrum entwickelt. Aus der römischen Zeit sind zahlreiche Fragmente erhalten, darunter Teile der Mauern des liburnischen Limes. Im Zentrum der Stadt steht das Römische oder Alte Tor (kroat. Stara Vrata), es gilt als das älteste Bauwerk R.s. Aus der mittelalterlichen Zeit blieb die im 13. Jh. erbaute Kathedrale der hl. Maria erhalten, die im 17. und 18. Jh. umgebaut wurde. Vom großen Klosterkomplex blieben die Kirche des hl. Hieronymus (kroat. Sv. Jeronim) und zwei gotische Kapellen erhalten. Das größte noch erhaltene kirchliche Gebäude ist die St. Vitus-Kirche (kroat. Sv. Vid) mit Barockkuppel. Der oktogonale Bau wurde 1638 begonnen und Mitte des 18. Jh. beendet. Die Altstadt wurde 1750 nach einem Erdbeben zum Hafen hin ausgedehnt. Im 19. Jh. entstanden an der heutigen Uferpromenade zahlreiche repräsentative Bauten, darunter das Theater, die nautische Akademie und der Gouverneurspalast. Von der Altstadt führen 558 Stufen hinauf zur Festung Trsat, die im 13. Jh. vom kroatischen Adelsgeschlecht der Frankopani erbaut und im 19. Jh. erweitert wurde. Sie liegt auf 135 m Höhe und ermöglicht einen weiten Blick auf den gesamten Quarnero und das Gebirge Učka. Dort oben befindet sich die Pfarrkirche des hl. Georg (kroat. Sv. Juraj) aus dem 13. Jh., die im 19. Jh. erneuert wurde, sowie das Franziskanerkloster und die Kirche der Madonna von Lauretano (kroat. Gospa Lauretanska) aus dem 15. Jh.

R. beheimatet heute diverse wissenschaftliche Institutionen, wie die Universität, die Marinehochschule sowie mehrere Fachhochschulen und ist eines der touristischen Zentren Kroatiens. Die Fremdenverkehrstradition reicht bis zur Mitte des 19. Jh. zurück. Über die Stadtgrenzen hinaus bekannt ist der Karneval in R., der größte in Kroatien.

http://www.croatia.hr/destinations/general.aspx?id_destination=350&id_property=54&type=main [Stand 14.5.2004]. http://www.tz-rijeka.hr/povijest.asp [Stand 15.5.2004].

(Siniša Kušić)


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