Rila (Gebirge)

Rila (bulgar., thrak. Dunax)

Das im Südwesten Bulgariens gelegene Gebirge (begrenzt durch das Gebirge Verila und den Talkessel von Samokov im Norden, die Thrakische Ebene im Osten und Nordosten, die Rhodopen im Südosten, den Talkessel von Razlog im Süden und das Tal des Flusses Struma im Westen) ist das höchste Gebirge Bulgariens und der ganzen Balkanhalbinsel. Es ist Teil des im Tertiär entstandenen Massivs R.-Rhodopen, welches zum makedonisch-thrakischen Gebirgssystem der Balkanhalbinsel gehört. Seine enorme Kuppel sticht imposant zwischen den es umgebenden Talkesseln hervor. Mit den Nachbargebirgen ist das R.gebirge durch hohe Bergsättel verbunden. Es hat eine Ost-West-Ausdehnung von 83 km, in Nord-Süd-Richtung erstreckt es sich über 52 km und hat eine Fläche von 2629 km², die durchschnittliche Höhe beträgt 1487 m, wobei ca. 50 % des Gebirges über 1600 m Seehöhe liegen (höchster Gipfel: Musala mit 2925 m, 132 Gipfel über 2000 m, davon 78 über 2500 m hoch). In dieser Höhe bleiben die Lufttemperaturen das ganze Jahr über relativ niedrig – die Durchschnittstemperatur ragt über 15 °C üblicherweise lediglich an 5–15 Tagen im Jahr hinaus. Im Januar fällt der Durchschnittswert unter –10 °C und im Juli erreicht er kaum 10 °C. Das Gebirge bildet eine natürliche Barriere für Niederschläge – in seinen höchsten Partien betragen sie teilweise über 2000 mm pro Jahr.

Das hauptsächlich aus metamorphen (Gneisen, Glimmerschiefer, Amphiboliten und Marmor) und Intrusivgesteinen (südbulgarischer Granit) bestehende Gebirgsmassiv lässt sich aufgrund seiner tiefen vertikalen Gliederung in vier klar gegeneinander abgegrenzte Regionen unterteilen:

Der östliche Teil (bulgar. Musalenski djal) erstreckt sich zwischen den Tälern der Flüsse Beli Iskăr, Marica, Jadenica, Mesta und Beliška reka. Er umfasst den größten Teil des R.gebirges, hier entspringt der Fluss Marica, und 12 der 18 Gipfel mit einer Höhe von mehr als 2700 m liegen im östlichen R.gebirge.

Das zentrale R.gebirge (bulgar. Skakaviški djal) wird durch die Flusstäler von Beli Iskăr, Levi Iskăr, Rilska, Ilijna, Radovička und Beliška reka begrenzt, mit 9 % der Gesamtfläche ist es zwar der kleinste, mit 2077 m mittlerer Höhe zugleich aber der höchste Teil des R.gebirges mit ausgesprochen alpinem Gepräge.

Der nordwestliche Teil (Malʹoviški djal) des Gebirges wird durch die Flüsse Rilska reka und Levi Iskăr sowie durch die Talkessel von Samokov und Dupnica begrenzt. Mit einer mittleren Höhe von 1555 m und einem Flächenanteil von 24 % nimmt der nordwestliche Teil jeweils den dritten Platz ein, wobei insbesondere im Süden ein großer Reichtum an eiszeitlichen Geländeformen vorherrscht.

Das südwestliche R.gebirge zwischen den Flusstälern von Beliška reka und Mesta, dem Talkessel von Razlog, dem Bergsattel Predela, den Flüssen Gradevska reka, Struma und Rilska reka nimmt 30 % der Gesamtfläche des Gebirges ein, die mittlere Höhe beträgt 1306 m.

Insgesamt 233 Seen, die meisten in einer Höhe von 2100–2500 m gelegen (der höchste: Ledenoto ezero auf 2715 m), eiszeitlichen Ursprungs und in Gruppen auftretend (z. B. die „sieben Rilaer Seen“ [bulgar. Sedemte Rilski ezera]), die Tatsache, dass die abgesehen von der Donau größten Flüsse Bulgariens (Iskăr, Marica, Mesta) hier entspringen, und zahlreiche Mineralquellen zeugen vom Wasserreichtum des R.gebirges. Bis in eine Höhe von ca. 2000 m ist das Gebirge bewaldet (hauptsächlich Nadelhölzer), in höheren Regionen ist die Vegetation alpin. Für die Fauna des R.gebirges charakteristisch sind Rotwild, Gämsen, Wölfe, Bären, Füchse, Bartgeier, Steinadler, Falken, Habichte u.a.

Obwohl im Gebirge Magnetite, goldhaltige Sande, Marmor, weißer Glimmer, Granit, Braunkohle, Lignit sowie bituminöse Schiefer vorkommen, werden dort keine Bodenschätze abgebaut. Einige davon werden in geringen Mengen in den Ortschaften rund um das Gebirge selbst abgebaut.

Das R.gebirge ist von jeher nur sehr schwach besiedelt, die Siedlungen liegen mehrheitlich am Fuße des Gebirges, so: Samokov, Dupnica, Razlog, Blagoevgrad. Im Gebirge liegen nur einige wenige Kurorte, z. B. Borovec und Govedarci.

Die zentralen und höchsten (östlichen) Teile des R.gebirges gehören teilweise zu Bulgariens jüngstem, 1992 gegründeten Nationalpark, der auf einer Fläche von 81.046 ha (ca. 30 % der Gesamtfläche) Touristen zu ausgedehnten Wanderungen und Bergtouren einlädt. Der Fremdenverkehr gehört mit zu den Haupteinnahmequellen. Eine der besonderen Sehenswürdigkeiten im R.gebirge stellt das im nordwestlichen Teil gelegene Rilakloster dar.

Nikolov V., Jordanova M. 1997: Planinite v Bălgarija. Sofija. Rila National Park. www.rilanationalpark.org/en/index.phtml [Stand 26.7.2006].

(Alexander Sitzmann)

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