Rjazanʹ (Stadt)

Rjazanʹ (russ.).

Inhaltsverzeichnis

1 Geographie

R. ist Zentrum des Gebiets R. und des Kreises R. Die Stadt hat 513.300 (2005) Einwohner und liegt 196 km südwestlich von Moskau auf dem Mittelrussischen Landrücken (Srednerusskaja vozvyšennostʹ) an der Mündung des Flusses Trubežin in die Oka. Die ca. 145 m ü. d. M. gelegene Stadt erstreckt sich auf einer Fläche von über 200 km². R. ist umgeben von einer einige tausend Hektar großen Eichen- und Kiefernwaldlandschaft, die ›Meščëra‹ genannt wird. Die Jahresniederschläge betragen durchschnittlich 550 mm. Die durchschnittliche Temperatur liegt im Januar bei -11° C, im Juli bei 19° C.

R. ist ein Zentrum der Schwerindustrie, des Landmaschinenbaus, der Erdölverarbeitung sowie der Chemiefaser-, Textil- und Baumaterialproduktion. In R. gibt es gegenwärtig eine Medizinische Universität, fünf Hochschulen, zwei große Theater, ein Konzerthaus und mehrere Museen. Die Stadt ist Sitz eines Erzbistums.

Im Kreis R. herrscht Landwirtschaft vor. Angebaut werden Getreidekulturen, Futterpflanzen, Obst und Gemüse, ferner werden Rinder-, Schweine- und Geflügel gezüchtet. 20 km von der Stadt R. entfernt liegt der Kurort Solotča.

Anfang

2 Kulturgeschichte

Die Gegend um R. war zunächst Siedlungsgebiet finnougrischer Völker (u. a. der Meščëra und Muroma), um ca. 1000 n. Chr. wanderten ostslawische Stämme („Wjatitschen“ und „Radimitschen“) ein. Ende des 11. Jh. entstand über dem rechten Oka-Ufer, ca. 50 km vom heutigen R. entfernt, eine befestigte Siedlung, Perejaslavlʹ-Rjazanskij (auch „Alt-R.“ [Staraja R.] genannt), die Sitz des ab 1129 selbständigen Fürstentums R. war, das auf einer Seitenlinie der „Rjurikiden“ zurückgeht und als Handelszentrum Bedeutung erlangte.

Nach der Zerstörung „Alt-R.s“ durch die Mongolen 1237 – die Ruinen sind heute als Ausgrabungsstätte zu besichtigen – wurde an der Stelle des heutigen R. eine neue Siedlung und Fürstenresidenz errichtet, die v. a. unter Oleg Ivanovič (1350–1402) zu wirtschaftlicher Blüte gelangte. Insbesondere seiner Bündnispolitik mit der Goldenen Horde ist es zu verdanken, dass sich das Fürstentum gegenüber der aufstrebenden Moskauer Rus noch bis 1521 behaupten konnte. Von 1708 war R. Teil des Gouvernements Moskau, 1719 wurde R. der Provinz Perejaslavlʹ-Rjazanskij zugeordnet. 1778 wurde der Ort auf Erlass Katharinas II. in R. umbenannt und zum Zentrum des gleichnamigen Gouvernements ernannt. Seit 1937 ist R. Hauptstadt des Gebiets R.
Im Verlauf der zweiten Hälfte des 19. Jh. entwickelte sich R. zu einem bedeutenden Verkehrs- und Wirtschaftszentrum. Es entstanden zahlreiche Fabriken und landwirtschaftliche Großbetriebe.

Die Anlage der Stadt ist mit ihren geraden, sich rechtwinklig kreuzenden Straßen weitestgehend erhalten geblieben. In der Altstadt, auf dem Territorium des ehemaligen Kremls, stehen zahlreiche historische Baudenkmäler, so z. B. die 1826 umgebaute, aus dem 15. Jh. stammende „Kathedrale der Geburt Christi“ (Christoroždestvenskij sobor), die „Erzengel-Kathedrale“ (Archangelʹskij sobor, 16. Jh.), die „Kirche des Hl. Geistes“ (Cerkovʹ Sv. Ducha, 1642) und der Bischofspalast, auch „Palast Olegs“ (Palac Olega) genannt (1653–92), weiterhin das „Erlöserkloster“ (Spasskij monastyrʹ) mit der „Kirche der Erscheinung Christi“ (Cerkovʹ Bogojavlenija, 1647) und der „Kirche der Verklärung Christi“ (Cerkovʹ Preobraženija, 1702). Sehenswerte Profanbauten sind die zahlreichen Handelshäuser aus dem 18. Jh. und die „Adligenversammlung“ (Dvorjanskoe Sobranie, Ende 18., Anfang 19. Jh.).

www.gorod.ryazan.ru] [Stand 7.3.2006].

(Ulrike Butmaloiu)

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