Rostow am Don (Gebiet)

Rostovskaja oblastʹ (russ., „Rostower Gebiet“)

R. ist ein Verwaltungsgebiet im Südwesten der Russischen Föderation, 1937 entstanden. Es erstreckt sich über 100.800 km² und hat 4.303.546 Einwohner (2005). Verwaltungszentrum ist Rostow am Don. Das Gebiet grenzt im Westen an das Asowsche Meer und an die russischen Verwaltungsgebiete Voronež (im Norden), Wolgograd (im Nordosten), die autonome Republik Kalmückien, die Regionen Stavropolʹ und Krasnodar sowie im Nordwesten an die Ukraine.

Naturräumlich betrachtet befindet sich das Gebiet im Süden des Osteuropäischen Tieflands und im Vorkaukasus. Am Unterlauf des Don gelegen ist das Relief flach bis hügelig. In klimatischer Hinsicht gehört das Gebiet zur Zone des gemäßigten kontinentalen Klimas. Im Januar bewegen sich die Durchschnittstemperaturen zwischen –9 °C (Norden) und –5 °C (Süden), im Juli zwischen 22 °C und 24 °C. Die Niederschläge nehmen von 400 mm im Osten auf 650 mm im Westen zu. Die Vegetationsperiode beträgt 170–190 Tage.

Auf fruchtbaren Schwarzerdeböden wird intensiv Landwirtschaft betrieben. Angebaut werden v. a. Weizen, Gerste, Reis, Obst, Gemüse und Gewürzpflanzen sowie Wein. Das Gebiet ist innerhalb Russlands der zweitgrößte Lieferant landwirtschaftlicher Produkte (nach der benachbarten Region Krasnodar). Regionale Bodenschätze sind v. a. Steinkohle, Eisenerz und Erdgas. Durch das Gebiet verlaufen mehrere Öl- und Gaspipelines.

Die Industrie konzentriert sich v. a. in Rostow am Don und den nächstgrößeren Städten Taganrog, Šachty, Novočerkassk, Volgodonsk, Novošachtinsk und Batajsk. Die bedeutendsten Wirtschaftszweige sind der Maschinen- und Anlagenbau (u. a. Industrieausrüstungen), die Metall verarbeitende und Nahrungsmittelindustrie. Bei Volgodonsk existiert ein Atomkraftwerk.

Das Gebiet gehört mit zu den bevölkerungsreichsten Verwaltungseinheiten Russlands mit einem aufgrund seiner hohen landwirtschaftlichen Bedeutung leicht unterdurchschnittlichen Verstädterungsgrad von 66,8 %. Die Bevölkerungsdichte beträgt 42,7 Einwohner pro km². Nach dem Zerfall der Sowjetunion sind in den 1990er Jahren viele Menschen aus den ethnischen Konfliktgebieten des Kaukasus zugewandert. Laut offiziellen Angaben (2002) machen Russen 89,3 %, Ukrainer 2,7 % und Armenier 2,5 % der Bevölkerung aus.

Aufgrund der langen Siedlungsgeschichte – viele Jahrhunderte lang kreuzten sich hier Handelswege von Nord nach Süd und von West nach Ost – ist die Region reich an kulturellen Traditionen. Seit Ende des 15. Jh. ist das Gebiet von Kosaken (Donkosaken) besiedelt. Noch heute bezeichnen sich 87.492 Personen in R. (2 % der Bevölkerung) als Kosaken. Zu den Sehenswürdigkeiten zählen die Kirchen und Kathedralen des Dongebietes sowie die Kurorte und Mineralbäder am Asowschen Meer. Aus dem Gebiet stammen die Schriftsteller Anton Tschechow (1860–1904) und Michail Scholochow (1905–84).

www.donland.ru [Stand 27.3.2006].

(Monika Schulze)


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