Rumänien (Zeitschriften und Zeitungen)

Rumänien (Zeitschriften und Zeitungen)

Allgemein gilt in der rumänischen Bibliographie das Jahr 1829 als das Erscheinungsjahr der ersten rumänischsprachigen Periodika. Davor sind in den Donaufürstentümern vorwiegend Kalender (der erste, lateinischsprachige, 1575) und Almanache erschienen. Im Banat und in Siebenbürgen, die zur Habsburgermonarchie gehörten, wurden zudem seit dem 18. Jh. deutsche und ungarische Titel, so etwa die ›Temesvarer Nachrichten‹, die erste periodisch erscheinende Publikation im Banat, herausgegeben. Ein in französischer Sprache erschienenes Blatt – es sollte bilingual Rumänisch-Französisch sein –, der 1790 herausgegebene ›Courrier de Moldavie‹, stellt die erste in einer rumänischen Provinz gedruckte Zeitung dar. 1828 folgte die rumänischsprachige in Leipzig erschienene Fama Lipschii pentru Dacia.

1829, im „Geburtsjahr“ der rumänischen Publizistik, entstanden die Periodika ›Curierul românesc‹ (Bukarest) und ›Albina românească‹ (Iaşi). In Siebenbürgen erschien die erste rumänischsprachige Zeitung, ›Gazeta de Transilvania‹, erst 1838. All diese Publikationen orientierten sich v. a. an deutschen und französischen Vorbildern und verstanden sich überwiegend als politische und literarische Sprachorgane. Durch die Einführung neuer Wörter trugen sie bei zur Modernisierung der Sprache und durch das Verdrängen regionaler Ausdrücke nach der rumänischen Staatsgründung zur Vereinheitlichung der Sprache.

Die Entwicklung der rumänischen Presse erlebte ihre wichtigsten Impulse und Einschnitte durch Ereignisse, wie die Revolution von 1848, die Vereinigung der Fürstentümer Moldau und Walachei 1859 oder die Thronbesteigung König Carol I. 1866, den Unabhängigkeitskrieg 1877, die Ausrufung des Königreiches R. 1881 oder die Vereinigung des jungen Staates mit Banat und Siebenbürgen 1918. Phasen der Zensur – markiert durch das sog. ›Regulament organic‹ von 1831 und das Scheitern 1848 – wechselten mit Phasen der Pressefreiheit, die eine erste juristische Absicherung erst mit der Verfassung von 1866 erlangte. Länger der Zensur unterworfen war allerdings die satirische Presse.

Bedeutsam für die rumänische Literaturgeschichte sind die literarischen Periodika: ›Dacia literară, Convorbiri literare, Contemporanul, Literatorul, Vatra.‹ Die bedeutendsten rumänischen Schriftsteller waren auch als Journalisten tätig. Ein besonderes Phänomen in der Presselandschaft stellten die im Banat verbreiteten rumänischsprachigen Dorfblätter dar. Bis Ende des Zweiten Weltkriegs wuchsen die Anzahl und die Vielfalt der Publikationen stetig. Sie reicht von bedeutenden Parteizeitungen zu Literatur- und Kulturzeitschriften. Der Krieg brachte erneut eine starke Zensur und auch eine Reihe von extremistischen Publikationen hervor. In der anschließenden kommunistischen Periode war die Presse vorwiegend Parteiorgan und damit ein Mittel der Propaganda und Manipulation. Charakteristisch für diese Zeit sind politische Zensur und die „Hölzerne Sprache“ (›limbă de lemn‹). Mit dem Pressegesetz von 1974 wurde das rumänische Pressewesen vollständig der herrschenden kommunistischen Partei unterstellt.

Nach 1989 schnellte die Anzahl der Zeitungen und Zeitschriften rasant empor: Landesweit kamen in der ersten Jahreshälfte über 1000 neue Titel hinzu, Publikationen mit allen Arten der Periodizität, von Tageszeitungen bis zu Jahrbüchern, und aller Gattungen, von Parteizeitungen bis zu Satirezeitschriften, weiterhin extremistische und religiöse Publikationen, Kinder- und Frauenzeitschriften, später dann auch Lifestyle-Publikationen für alle Kategorien von Lesern. Die beginnenden 1990er Jahre kennzeichneten eine temporäre Zeitungspapierkrise (im Inland produzierte nur eine einzige Papierfabrik: ›Letea‹) sowie die bestehende Abhängigkeit der Zeitungsredaktionen vom zentralistisch organisierten staatlichen Vertrieb.

Ab Mitte der 90er Jahre wurden erstmals regionale Ausgaben bzw. Beilagen der Tageszeitungen gedruckt. Die neue Pressefreiheit ließ auch wieder das Erscheinen von Satirezeitschriften zu. Ein neues Phänomen ist die Boulevard-Presse (Tabloid-Format: Evenimentul Zilei). Allgemein ist festzustellen, dass die ›fapt divers‹ („Nachricht mit Leichtkost-Inhalt“) und die kommentierenden Genres (wieder)entdeckt, dafür aber die Reportage immer stärker vernachlässigt wurden, ebenso die Leserbriefe, hier zeichnet sich allerdings bereits eine Umkehr ab.
Waren nach 1989 zunächst ausschließlich ausländische (v. a. deutsche und schweizerische) Kapitalgeber auf dem Zeitungsmarkt vertreten, so etwa die Ringier-Gruppe (›Capital‹) oder die Bertelsmann-Gruppe (›Evenimentul Zilei‹), konnten sich seitdem auch rumänische Mediengruppen herausbilden, wie z. B. die ›Dramiral Group‹ (mit ›Monitorul de Iaşi‹, ›Monitorul de Braşov‹, ›Curentul‹ u. a. Publikationen).

Die gegenwärtige Zeitungslandschaft ist sehr vielfältig. Die größten Tageszeitungen mit landesweitem Vertrieb sind: ›Adevărul‹, ›Evenimentul Zilei‹, ›Ziua‹, ›România liberă‹. Dazu kommen – ebenfalls mit landesweitem Vertrieb – Wochenzeitungen, etwa ›22‹, kulturelle Wochenzeitschriften, wie ›România literară‹ oder ›Dilema‹, Magazine, z. B. ›Formula As‹, Satirezeitschriften, wie Academia Caţavencu sowie Wirtschaftszeitschriften, wie ›Capital‹ oder ›Ziarul Financiar‹. Die Parteizeitungen gehörten Anfang der 1990er Jahre noch zu diesem Spektrum, haben aber danach stark an Publikum verloren, die meisten erscheinen nicht mehr. Im Bereich der Kinder- und Jugendzeitschriften sowie der Frauenmagazine sind die meisten internationalen Namen anzutreffen wie ›Bravo, Elle‹, aber auch rumänische Titel sind darunter vertreten, einige mit Tradition, wie ›Femeia‹, ›Lumea femeilor‹.
Dazu kommen Publikationen in den Sprachen der Minderheiten, so z. B. die ›Allgemeine Deutsche Zeitung für Rumänien‹ (Deutsch), ›Romaniai Magyar Szó‹ (Ungarisch), ›Naša reč‹ (Serbisch – nur regional, denn die Serben bilden nur im Banat eine Gemeinschaft) oder auch in rumänischer Sprache, wie z. B. die ›Realitatea evreiască‹ für die jüdische Gemeinde. In Bukarest und in den Großstädten erscheinen auch Publikationen für Touristen und Geschäftsleute in Englisch, Französisch und Italienisch.

Für das Jahr 2002 sind in R. etwa 1500 Publikationsorgane statistisch erfasst. Diese kämpfen wie Radio und Fernsehen um Publikum, Werbung und Einkommen. Sie sind – in Gestalt der Medienbesitzer – teilweise eng mit Politik und Wirtschaft verflochten und als solche nicht selten ideologisches Sprachrohr und Mittelpunkt von Skandalen.
Die Pressefreiheit ist in R. gewährleistet, allerdings erschweren einzelne Gesetze häufig noch die journalistische Arbeit, so das zwar schon abgeänderte Gesetz über Beleidigung der Person und Diffamierung in der Presse oder das ebenfalls heftig debattierte Gesetz über den Informationszugang. Die meisten Zeitungen und Zeitschriften sind seit einigen Jahren auch im Internet präsent.

http://www.ziare.com. [Stand 11.7.2004]. http://www.freemedia.at/wpfr/world.html [Stand 11.7.2004].

(Stefana-Oana Ciortea-Neamtiu)

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